"Auf die Toilette gehen" ist für einen Drittel der Menschheit unmöglich

Zwischen 1990 und 2004 hat sich die Situation durch den Einsatz von Latrinen für etwas mehr als eine Milliarde Menschen verbessert. Die bis dahin erzielten Fortschritte genügen jedoch nicht, um die Millenniums-Entwicklungsziele zur sanitären Grundversorgung zu erreichen: 2,5 Milliarden Menschen leben auch heute noch ohne angemessene Grundversorgung. 1,2 Milliarden Menschen haben gar keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Die Botschaft ist klar: Eine deutliche Beschleunigung der Fortschritte in diesem Bereich drängt sich auf, vor allem in Subsahara-Afrika und Südasien. Die Zahl jener Menschen, die immer noch keinen Zugang zu einer verbesserten sanitären Grundversorgung haben, ist erheblich und wir wissen, dass Krankheiten, Einkommens- und Würdeverlust einen Teufelskreis auslöst, welcher Menschen hindert der Armut zu entfliehen.

Im September 2000 kamen hochrangige Vertreter aus 189 Ländern, die meisten von ihnen Staats- und Regierungschefs, zu einem Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York zusammen. Als Ergebnis des Treffens verabschiedeten sie die Millenniumserklärung, welche die globalen Herausforderungen und die Agenda für die internationale Politik zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschreibt. Aus dem Entwicklungs- und Umweltkapitel wurden acht international vereinbarte Ziele in einer Liste zusammengestellt und mit konkreten Zielvorgaben und Indikatoren belegt, die sog. "Millennium Development Goals" (MDGs).

Eins dieser Ziele besteht darin, zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen ohne Zugang zu einer elementaren sanitären Grundversorgung zu halbieren. Die Verbesserung der sanitären Grundversorgung wird sich unter anderem positiv auf die anderen Entwicklungsziele auswirken, nämlich:

  • Die Reduktion der extremen Armut und Hunger,
  • allen Kindern eine Grundausbildung  ermöglichen,
  • die Gleichstellung der Geschlechter und die politische, wirtschaftliche und soziale Beteiligung von Frauen fördern,
  • die Kindersterblichkeit verringern,
  • die Gesundheit der Mütter verbessern,
  • HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen und
  • den Schutz der Umwelt verbessern.

 

Der letzte Bericht des gemeinsamen Monitoringprogramms von WHO und UNICEF für Wasser und sanitäre Grundversorgung (2008) präsentiert die erreichten Fortschritte zur Erfüllung der Millenniumsziele für Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung und analysiert die Trends für die Wasserdekade 2005-2015.

Zugang zur sanitären Grundversorgung

Wer Zugang hat zu einem Plumpsklo, zu einer Latrine mit Wasserspülung, zu einer Klärgrube oder wer an einer Kanalisation angeschlossen ist, gehört zu den Menschen mit Zugang zur elementaren sanitären Grundversorgung. Dagegen gehören Personen, die Kübellatrinen, öffentliche Latrinen oder offene Latrinen benutzen oder im Freien defäkieren müssen zu den 2.5 Milliarden Menschen ohne geeignete sanitäre Grundversorgung.

Ungenügende Fortschritte um das durch die Millenniumsziele festgelegte Ziel zur sanitären Grundversorgung zu erreichen

Zwischen 1990 und 2006 ist der Anteil der Weltbevölkerung ohne Zugang zu einer angemessenen sanitären Grundversorgung nur um 8% gesunken. Wenn nicht sofort eine Verbesserung der Fortschritte eintritt, wird das durch die Millenniumsziele festgelegte Ziel 2015 nicht erreicht werden. Basierend auf den aktuellen Trends, werden im Jahr 2015 immer noch 2,4 Milliarden Menschen ohne verbesserten Zugang zur sanitären Grundversorgung leben, was nur einer geringen Verminderung im Vergleich zu 1990 entspricht. Beim aktuellen Rhythmus werden die Millenniumsziele für sanitäre Grundversorgung nicht erreicht werden und folglich werden über 700 Millionen Menschen ohne verbesserte sanitäre Grundversorgung bleiben. Damit das Ziel erreicht werden kann, muss durchschnittlich mindestens 173 Millionen Menschen pro Jahr den Zugang zu elementaren sanitären Einrichtungen gewährleistet werden.

Weitergehende Informationen befinden sich auf der Webseite des gemeinsamen Monitoringprogramms von WHO und UNICEF für Wasser und sanitäre Grundversorgung.